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Beispiel Ebola: Medien können bei Entstigmatisierung von Betroffenen helfen

Medienanalyse in Liberia: Offenes Ansprechen der Stigmatisierung wirkt dieser entgegen.
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(Wien, 07-09-2017) Bei der Ebola-Virus-Epidemie zwischen 2013 und 2016 in Westafrika infizierten sich rund 28.000 Menschen mit dem Virus, 10.000 überlebten die Erkrankung, davon über 1.500 in Liberia. Die Überlebenden sehen sich in den meisten Fällen sozialen, finanziellen und gesundheitlichen Zwangslagen gegenüber, werden stigmatisiert und teilweise diskriminiert. Die Medienberichterstattung spielt eine wichtige Rolle in Epidemien, sie kann Infektionsgefahren verringern und der Stigmatisierung von Betroffenen entgegenwirken. Das ist das Ergebnis einer Studie von Elisabeth Anne-Sophie Mayrhuber, Thomas Niederkrotenthaler und Ruth Kutalek von der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin der MedUni Wien.

Bei der aktuellen Studie handelt es sich um eine Medienanalyse, bei der über einen Zeitraum von rund zwei Jahren die Online-Artikel der Zeitschrift „The Liberian Observer“ untersucht wurden, die Ebola-Überlebende zum Thema hatten.

Kutalek: „Die Zeitung berichtete nicht nur über die seelischen und körperlichen Folgen der Erkrankung, sondern auch über die sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Gleichzeitig wurde auch das Thema Stigmatisierung aufgegriffen und sehr anschaulich dargestellt, wie sich das im Alltag äußert.“ Hintergrund: Wegen der hohen Ansteckungsgefahr wurde der gesamte Besitz der Erkrankten mit einer Desinfektionslösung besprüht und oft zerstört – oder gleich verbrannt. Als die Überlebenden aus der „Ebola Treatment Unit“ heimkehrten, standen sie in den meisten Fällen vor dem Nichts. Sie verloren ihren Job, ihre Wohnung, konnten nicht mehr am Markt einkaufen.

Die Analyse der Berichte im „Liberian Observer“ zeigte, dass die Zeitschrift bestrebt war, die soziale Situation der Ebola-Überlebenden sachlich darzustellen – ohne jegliche Panikmache. „Ganz im Gegensatz zu manchen europäischen Medien“, ergänzt Kutalek. Gleichzeitig wurde die Stigmatisierung und die dazu gesetzten Maßnahmen wie die Inkludierung der Betroffenen in Hilfsaktivitäten offen aufgegriffen – mit Erfolg: „Es war deutlich zu sehen, dass das in der Gesellschaft de-stigmatisierend wirkt“, so die MedUni-ForscherInnen.

Das zentrale Ergebnis zusammengefasst: Wenn Medien Stigmatisierung offen ansprechen, wenn Betroffene selbst zu Wort kommen, nicht nur ‚über sie‘ berichtet wird, und es einen breiten gesellschaftlichen Diskurs darüber gibt, findet Entstigmatisierung statt.“

Service: PLOS Neglected Tropical Diseases
"We are survivors and not a virus:" Content analysis of media reporting on Ebola survivors in Liberia. Elisabeth Anne-Sophie Mayrhuber, Thomas Niederkrotenthaler, Ruth Kutalek. August 24, 2017, https://doi.org/10.1371/journal.pntd.0005845.